Sambucus nigra, Schwarzer Holunder
Kaum ein Baum ist in der europäischen Kultur so eng mit Heilung, Schutz und dem Geheimnis des Lebens verbunden wie der Holunder.
Schon seit Jahrhunderten wurde der Holunder als Heilpflanze geschätzt: Seine Blüten wurden traditionell bei viralen Infekten und fieberhaften Beschwerden verwendet. Ein warmer Holunderblütentee regt das Schwitzen an. Dadurch wird der Körper unterstützt, Giftstoffe auszuscheiden und die Krankheit schneller zu überwinden.
Auch die dunklen Beeren des Schwarzen Holunder, die jetzt im September zu ernten sind, sind reich an wertvollen Pflanzenstoffen, insbesondere an Anthocyanen und anderen antioxidativ wirkenden Substanzen- also ein perfektes Hausmittelchen gegen die nun wieder häufiger auftretenden Erkältungskrankheiten. Des Weiteren gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass die in den Blüten enthaltene Wirkstoffe (N-Phenylpropenoyl-L-aminosäureamide) die Anheftung von Helicobacter pylori (einem Verursacher von Magengeschwüren) an die Magenwand unterbinden. Auch bei chronischen Entzündungen der Nebenhöhlen und Atemwege sowie bei Heuschnupfen wirkt Holunder unterstützend.
Doch der Holunder war niemals nur eine Heilpflanze.
Er galt als Baum an der Schwelle zwischen den Welten. In vielen Gegenden pflanzte man ihn bewusst in die Nähe des Hauses, häufig an Stall, Hof oder Eingang. Dort sollte er das Haus und seine Bewohner schützen. Man glaubte, dass im Holunder gute Hausgeister wohnten, die Krankheit, Unheil und böse Einflüsse fernhalten konnten. Im Eingangsbereich unserer Praxis befindet sich ein Holunderbaum.
Der Holunder stand nicht nur für die Behandlung von Krankheit, sondern auch für die Vorstellung, dass Gesundheit bewahrt und behütet werden muss.
Und vielleicht das das Geheimnis – Heilung bedeutet nicht nur, gesund zu werden. Heilung bedeutet auch, einen vertrauten Ort zu haben, an dem man sich sicher fühlt: einen warmen Tee in der Hand, eine Pflanze vor dem Haus, die Erfahrung von Zuwendung und Fürsorge

